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Straffes Spiel hinter lockerer Pose
Philharmonie: Iván Fischer, Anton Kuerti und das BFO
Kommunikationsstörungen gibt es nicht – jedenfalls nicht zwischen Musikern und ihrem Dirigenten. Und wenn Iván Fischer mit seinem Budapest Festival Orchestra auftritt, durchweht zudem etwas entspannt-familiӓres den Saal. Nun, man kennt sich. Und das immerhin seit über einem halben Jahrhundert, seit Fischer 1983 “sein” Orchester gründete, dessen Chef er bis heute ist.
So hatte jetzt auch sein extreme entspanntes Beethoven-Dirigat in der Philharmonie höchstens optisch etwas von tӓnzerischer Pose.Hinter der lockeren Fassade steckt neben unbӓndiger Musizierlust ein mindestens ebenso ausgeprӓgter Wille zur Klarheit und intellektueller Durchdringung, die Schroffheiten und Bröche nie einem Gefӓlligkeitsklang opfert. Dass war in der “Coriolan”-Ouvertüre zu spüren, mit ihren unvermittelten.
Gegensӓtzen von donnernden Tutti-Attacken (kompakt und diszipliniert) und blühender Kantilene. Eine gedankliche Durchformung, die in der vierten Sinfonie (statt der angekündigten “Pastorale”) ungewohnt Frisch und zügig gipfelte. Dazu technische Perfektion in allen Klanggruppen, vor allem den Blӓsern auf alten Instrumenten.
Höhepunkt des – bereits zweiten – Abends mit den Ungarn war aber Beethovens viertes Klavierkonzert mit Anton Kuerti. Dabei bildete die vollkommen unprӓtentiöse, ganz aus dem dialogischen Geist des Werks heraus entwickelte Gestaltung mit der souverӓnen Technik des österreichischen Wahl-Kanadiers eine ideale Partnerschaft. Selten hört man ein so mystisches Piano, so geheimnisvolle Trillerketten. Schade, dass Kuerti auch ein seltener Gast ist.
Dirk Aschendorf, Westdeutsche Allgemeine Zeitung
18 March 2010

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