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München – Mitunter ist man versucht, zur Beschreibung von Musik kulinarische Vergleiche heranzuziehen. Die sind dann meist schief, gewollt und im besten Fall appetitanregend. Doch beim Konzert des Budapest Festival Orchestra unter seinem Leiter Iván Fischer fällt einem so ein Vergleich sofort ein. Und er passt. Vollfettstufe. Keine Magerkost. Aromatisch, prächtig, lecker.

Da tut sich Gerhard Oppitz durchaus ein bisschen schwer, bei Beethovens viertem Klavierkonzert in der Philharmonie auf seinem trockenen, objektiven Ton zu beharren. Ganz gibt er ihn nicht auf, aber schon die Kadenz im ersten Satz ist von wunderschöner, romantischer Sanglichkeit. Und wirklich berückend sind die Momente der Ruhe in den beiden folgenden Sätzen. Diese Ruhe entsteht in Symbiose von Orchester und Solist, wird lustvoll ausgekostet, jetzt nur keine Eile, und ist stets angefüllt mit Spannung, ist lebendig leise.

Und dann erblüht das Orchester wieder zu strahlender Größe. Gleich zu Beginn mit Brahms” Uni-Scherz, der ‘Akademischen Festouvertüre’, beim Beethoven und der abschließenden ‘Scheherazade’ von Rimsky-Korsakov. Fischer ist ein souveräner, gelassener Animateur seiner Musiker. Die spielen, als gälte es das Leben – angesichts der politischen Situation in Ungarn auch kein Wunder. Ein so grandioses Pathos hört man in München selten. Die Ungarn haben den Mut dazu, und auch die Klasse. Nie wird es klebrig oder gar vordergründig. Mag diese Klangpracht auch wenig subtil sein – das Orchester kann auch ungemein zart und lyrisch spielen. Dank der technischen Perfektion gelingt es, die hemmungslose Emotionalität mit vitaler, unmittelbarer Sinnlichkeit voll auszukosten. Im Musizieren dieser Ungarn ist viel Mensch drin, humane Größe. Und welch” eine Macht der Bässe, welch” sanglicher Schmelz bei der Konzertmeisterin. Das Klangfarbenspiel in der ‘Scheherazade’ wird so zum puren Vergnügen.

Zur Zugabe fragt Fischer, ganz Entertainer, was das Publikum, offensichtlich reich durchsetzt von Exilungarn, hören möchte. Brahms natürlich. Doch statt des ‘Ungarischen Tanzes’ gibt es einen von Tschaikowsky. Satt.

Egbert Tholl, sueddeutsche.de