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fr-online.de Judith von Sternburg
Die können sogar singen: Das Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer und der Cellist Daniel Müller-Schott mit einem reinen Dvórak-Programm in der Alten Oper Frankfurt.

Als Wunderkörper stellte sich in der Alten Oper Frankfurt das Budapest Festival Orchestra dar. In der Zugabe verwandelten sich die Musikerinnen auf einmal in einen Frauenchor, während die Männer in der mindestens paritätisch besetzten Gruppe die nun ganz sachte Begleitung lieferten. Ein Dvorák-Lied natürlich, zum Abschluss eines fast reinen Dvorák-Programms, aus dem allein der Solist Daniel Müller-Schott kurz ausscherte, mit einer Ravel-Zugabe.

Der Auftritt der Budapester mit dem Münchner Cellisten, der jüngst eine Dvorák-CD einspielte, war insgesamt eine großartige Reklame für unvermengte, stockhomogene Programme. Hier wurde der Tscheche Antonín Dvorák noch dazu im engen Zeitraum von fünfzehn Jahren vorgestellt. Zwei „Slawische Tänze“ gab es zum Auftakt, die die Freuden einer Kurkapelle in den großen Maßstab hoben, ein böhmisches Streichermeer. Iván Fischer, Orchestergründer und Leiter, der mit seinen Musikern offenkundig in rarem Einverständnis steht, zeigte sich als konzilianter Dirigent. Im Cellokonzert h-Moll aber hinderte ihn das nicht daran, das Orchester in eine weit von Gefälligkeit entfernte Expressivität zu jagen. Obwohl er ja definitiv niemanden zu jagen schien. Es geschah wie von selbst. Müller-Schott war ohnehin ein höchst experimentierfreudiger, schonungslos dem Interessanten in der Musik nachspürender Solist. Dass er das Cellokonzert in diesen Monaten mit diversen Orchestern in aller Welt spielt, schien eher seine Neugier auf die Budapester zu steigern.

Nach der Pause die federleichte cis-Moll-Legende und dann ohne Umschweife die achte Sinfonie. Mit einem unerhörten Pianissimo der Celli im vierten Satz. Und auch hier machten die Musiker schon einmal den Mund auf.