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Schubert- Symphony No. 9; Five German Dances

Iván Fischer mischt Tradiertes gern auf – und sei es bei der Sitzordnung seiner Orchestermusiker: Als der Dirigent nun mit dem von ihm 1983 gegründeten Budapest Festival Orchestra in der Alten Oper gastierte, saßen einige Bläser im Halbkreis um das Dirigentenpult, die Streicher erst dahinter.

Bei den Aufführungen von Werken Béla Bartóks trennte das den Klang treffend auf, und in Schuberts später C-Dur-Sinfonie kamen auf diese Weise die so wichtigen Stimmen der Holzbläser noch besser zur Geltung.

Zu Béla Bartóks „Ungarischen Bauernliedern“ für Orchester ließ Fischer zudem ein Streicher-Oktett im Stehen spielen, schärfte so den folkloristischen Charakter dieses kurzen Eingangsstücks, dem Bartóks Klavierkonzert Nr. 2 folgte. Es wurde 1933 in Frankfurt uraufgeführt, mit dem Komponisten als Solisten – in der Alten Oper übernahm nun András Schiff den pianistischen Part. Fast wie ein Schlaginstrument behandelt Bartók das Klavier hier; und Schiff spielte das Konzert auch mit der nötigen rhythmischen Schärfe, dem kühlen Drive, wie er selbst im langsamen Mittelsatz aufscheinen muss. Bei aller Klarheit vermittelte Schiff dennoch nie den Eindruck pianistischer Gewalt, Anstrengung oder bloßer Härte, sondern spielte geschliffen, genau, wo möglich auch geschmeidig, am Anfang des mittleren Adagios etwa, als er den wunderbar fahlen, dezenten Streicherklang solistisch aufmerksam auffing.

Ausgearbeitete Details den Eindruck „himmlischer Längen“

Mit seiner ersten Zugabe blieb András Schiff bei Bartók (Finale der Klaviersonate) und leitete mit Franz Schuberts „Ungarischer Melodie“ zum Komponisten des zweiten Konzertteils über: In Schuberts Sinfonie Nr. 8 C-Dur D 944 ließen zahlreiche fein ausgearbeitete Details den Eindruck „himmlischer Längen“, wie ihn Robert Schumann dem Werk zuschrieb, gar nicht erst aufkommen: Die seismographisch pochenden Streicher im ersten, das wunderbar elegisch gespielte Oboen-Solo im zweiten Satz belebten die Interpretation ebenso wie Iván Fischers variantenreiche Tempo-Kapriolen im Scherzo und das fast ins Atemlose gezogene Tempo des Finales.

Dass der erste Hornist zu Beginn der Sinfonie nicht gerade eine Sternstunde hatte, war da längst vergessen. Auch die Zugaben stammten von Schubert („Deutscher Tanz“) und von Bartók (Ausschnitte aus „Rumänischen Volkstänzen“).

Axel Zibulski, Offenbach-Post