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Leidenschaft und pralle Lebenslust



Das "Budapest Festival Orchestra" gastierte mit dem Pianisten András Schiff in der Alten Oper.

Ein ungarisches Orchester einen Tag nach Franz Liszts 200. Geburtstag in der Alten Oper – weit gefehlt, keine Werke des großen Meisters an diesem Abend. Dafür bestritt der zweite große ungarische Komponist der Musikgeschichte, Béla Bartók, mit seinen Kompositionen die erste Konzerthälfte.

Die selten zu hörenden Ungarischen Bauernlieder brachten zu Beginn pralle magyarische Lebenslust in den Großen Saal – das von Ivan Fischer kraftvoll geleitete Ensemble übertraf sich immer wieder an farben- und nuancenreichem Spiel. Hatte Bartók die Uraufführung seines markanten Klavierkonzerts 1933 in Frankfurt noch selbst gespielt, saß nunmehr mit András Schiff ein Landsmann und Enkel-Schüler von ihm an den Tasten. Die fast nicht zu bändigende Energie des Solisten, sein unnachahmlicher Anschlag und seine tiefe Verwurzelung in der ungarischen Musik prädestinierten ihn für dieses technisch anspruchsvolle Werk.

Schuberts “Große” C-Dur-Sinfonie nahm den zweiten Teil des Abends ein. Auch hier zeigte das Orchester ausgeprägte Leidenschaft. Die achtköpfige Gruppe der Holzbläser hatte sich in der vorderen Reihe platziert; das gab besonders im ersten Satz eine ungewohnt starke Präsenz. Nach einem mitreißenden Finale war das Publikum kaum zu bändigen: Fischer dirigierte noch ein Deutsches Tänzchen von Schubert – mit dem Blumenstrauß in der Hand.

(Ge), Taunus Zeitung