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Martin Schrahn
Dortmund. Dvorák: bekannt, beliebt, aber dies doch nur für wenige Werke seines üppigen Schaffens. Allzuviel hat daran auch das Dvorák-Festival der „Zeitinsel“ am Dortmunder Konzerthaus nicht geändert. Doch waren die Aufführungen der Oper Rusalka und des Requiems erstklassige Konzerte

Antonin Dvorák ist ein bekannter, ja berühmter, vielfach beliebter Komponist. Doch die Beurteilung dieses klischeehaft als „böhmischer Musikant“ bezeichneten Künstlers geht allzu oft nur von wenigen Werken aus. „Rusalka“, die 8. und 9. Sinfonie („Aus der Neuen Welt“), das Cellokonzert, einige slawische Tänze – mehr wird dem Publikum kaum geboten. Dabei hat Dvorák zehn Opern geschrieben, Oratorien, Messen, Lieder, Kammermusik.

Mutige Spurensucher also sind gefragt. Da kommt eine „Zeitinsel“, wie sie das Konzerthaus Dortmund seit einigen Jahren erfolgreich pflegt, gerade recht. Musik von Antonin Dvorák an vier Abenden. Doch das ganz große Entdecken findet nicht statt. Alle genannten Dauerbrenner bekommen mal wieder ihren Platz.

Schmuckstücke der Gattung

Daneben nur zwei, allerdings gewichtige Stücke, die uns nicht auf jedem Podium begegnen: das früh komponierte Klavierkonzert und das gewaltige Requiem. Es sind beeindruckende Schmuckstücke ihrer Gattung. Hinzu kommt, dass die Totenmesse weit weg ist vom Musikantenton des Böhmen, vielmehr archaisch und dramatisch, ohne das Opernhafte zu tangieren.

Insofern ist diese „Zeitinsel“, alles in allem, überaus gelungen. Weil jedes Konzert durch hohe Qualität geprägt ist. Weil Dirigent Iván Fischer, der das Programmkonzept erarbeitet hat, und das Budapest Festival Orchestra sich mit Verve der Interpretation hingeben, weil viele Solisten außerordentlich singen oder spielen.

Krone gebührt der „Rusalka“-Interpretin

Die Krone gebührt der Sopranistin Pavla Vykopalová. Mit leuchtenden Höhen und einer herb expressiven Mittellage führt sie uns eindrucksvoll durch Rusalkas Gefühlswelten. Fahl verhangen kann diese Stimme klingen, dann wieder dramatisch aufleuchten. So fügt sich die Sängerin bestens ein in die mal märchenhafte, mal harsche, dann wieder hinreißend wuchtige Charakteristik der Oper..

Exzellent der Tschechische Philharmonische Chor Brünn, besonders im Requiem. Mit überreicher Farbgebung gestaltet das Ensemble die düstere, aufbrausende, trostsuchende Musik. Manches strömt balsamisch, anderes fegt überschäumend an uns vorbei. Dvoráks Requiem jedenfalls, das inbrünstig spätromantisch klingt, sogar kühn naturalistisch, sollte aus der Raritätenkiste befreit werden.

Exzellentes Orchester

Über allem wacht der Dirigent Iván Fischer. Ein freundlicher Herr, der energisch aber ohne Theatralik die Einsätze gibt. Dem das exzellente Orchester hellwach folgt, mit Streicherschmelz, schönen Holzbläserfarben oder markigem Blech. Fischer setzt auf ausgewogene Klangbalance, um etwa dem Pianisten Stephen Hough Raum zu geben im hellen, figurativ vertrackten Klavierkonzert. Mitunter aber blitzt des Dirigenten ungarisches Temperament auf. Dann kann ein „Slawischer Tanz“ so imperial klingen, als wär’s ein Stück von Elgar.