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Gisela Trost (Der Bund)

Es war ein Abend auf höchstem Niveau und aus einem Guss mit ganz unterschiedlichen künstlerischen Persönlichkeiten – auf der einen Seite der jungen Berner Sopranistin Marysol Schalit, die als «Schweizer Solistin» das Konzert von Migros Kulturprozent Classics im Kultur- Casino brillant eröffnete, auf der anderen der reifen, besonnen wirkenden Pianistin Maria Joäo Pires, die auf über vier Jahrzehnte pianistischen Weltruhm zurückblicken kann; begleitet wurden sie vom Budapest Festival Orchestra, einem Weltklasse-Orchester aus Ungarn. Glück brauche es für eine gelingende Karriere, sagt Marysol Schalit im Vorgespräch zum Konzert; man müsse zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und dann auch noch eine sängerische Sternstunde erwischen. Mit Mozarts Konzertarie «A Berenice Sol nascente» gelingt ihr das. Mozart bringt den unverwechselbar timbrierten Sopran der 31-Jährigen hervorragend zur Geltung. Die Stimme klingt biegsam und unverbraucht – das ist umso beeindruckender, wenn man weiss, dass Schalit zum festen Ensemble des Theaters am Goetheplatz in Bremen gehört und dort seit 2 Jahren allabendlich mit anspruchsvollen Opernpartien auf der Bühne steht. Als Meisterin der leisen Töne entpuppt sich auch die portugiesische Pianistin Maria Joäo Pires. Ihre Interpretation von Beethovens viertem Klavierkonzert besticht durch eine stete, ernsthafte Grundstimmung, von der man sich als Zuhörerin getragen fühlt. Pires hat alle Zeit der Welt, um ihren Phrasen die Gestalt zu geben, die sie empfindet. Ein erschütternder Kontrast gelingt ihr etwa im zweiten Satz, wenn das Klavier im Zwiegespräch mit den im Unisono auftrumpfenden tiefen Streichern nackt und verletzlich wirkt. Auch in Antonin Dvoraks achter Sinfonie bleiben die tiefen Streicher ein Trumpf des Orchesters unter Ivän Fischer. Hinsichtlich slawischen Kolorits schöpft der Klangkörper aus dem Vollen, auch in der Zugabe: Hier folgt – wie passend – eine hochbejubelte Kostprobe aus Brahms’ «Ungarischen Tänzen».

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