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Igor Strawinsky

Le sacre du printemps, Feuervogel-Suite u.a.

Budapest Festival Orchestra, Iván Fischer

Channel Classics/Codaex CCS 32112

(63 Min., 12/2010) SACD

 

Es war nur eine Frage der Zeit, wann Iván Fischer ein Treffen zwischen seinem Budapest Festival Orchestra und Igor Strawinsky arrangieren würde. Denn dass den Ungarn das Archaische und Motorische, das Brutale und das Irisierende speziell in Strawinskys „Le sacre du printemps“ einfach liegen muss, hatte man schon immer geahnt. Zumal man eben mit einem Temperament ausgestattet ist, das elektrisierende Virtuosität mit Bravour garantiert. Nun aber ist Fischer keiner, der mit aller Gewalt ans Werk geht, um aus den unzähligen Einspielungen dieses modernen Klassikers herauszuragen. Der Funke springt vielmehr ganz von selbst über. Und dies liegt vor allem an einem genau entwickelten Klang- und Farbsinn, aber auch an einer Konturiertheit und körperlichen Plastizität, bei der das Vitale und nicht das Schockierende dieser Partitur im Mittelpunkt steht. Fischer geht hier den optimalen Mittelweg zwischen dem objektivem Zugriff eines Pierre Boulez und dem Animalischen eines Valery Gergiev.

 

Das mit unglaublicher Präzision, bezwingender Energieleistung und dramatischem Impetus zupackende Budapest Festival Orchestra ist daher auch in den drei nachfolgenden Werken in seinem Element. Bei der „Feuervogel“-Suite von 1919 ist man mittendrin in dem von Rimsky-Korsakow geprägten Mikro- und Makrokosmos russischer Orchesterkunst. Im „Scherzo à la Russe“ zeigt man, dass die weltbesten Blechbläser längst nicht mehr im Chicago Symphony Orchestra sitzen. Und wie man schließlich im „Tango“ übers Parkett schiebt, ist schon ganz schön lasziv.

 

Guido Fischer, rondomagazin.de