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F. Me. ⋅ Es ist zu erwarten, dass im nächsten Jahr etliche Neuaufnahmen von Igor Strawinskys «Sacre du printemps» erscheinen werden, denn im Mai 2013 jährt sich die skandalumwitterte Uraufführung dieses epochalen Werks zum hundertsten Mal.

Gleichsam als Vorbote dazu ist jetzt eine hörenswerte Einspielung mit Iván Fischer und dem Budapest Festival Orchestra auf den Markt gekommen. Sie überzeugt nicht nur durch ihre Brillanz und rhythmische Prägnanz, sondern fast mehr noch durch die geradezu kammermusikalische Transparenz, die Fischer in den verhaltenen Partien erzielt. Strawinskys Partitur, oft einseitig auf ihre perkussiven Qualitäten reduziert, offenbart in dieser Lesart ihren ganzen exquisiten Farbenzauber und verbindet sich umso organischer mit der beigegebenen Musik aus dem «Feuervogel». Angesichts der besonderen klanglichen Stärken des Budapest Festival Orchestra hätte man Strawinskys Balletterstling zwar lieber integral als in der etwas potpourriartigen Suite von 1919 gehört. Aber Fischers Programmkonzept, das von der «grossen Form» über die Suite zur Einzelminiatur («Scherzo à la russe» und Tango) führt, hat durchaus seine dramaturgische Logik. Und da der Dirigent die «Feuervogel»-Suite und die beiden kurzen Stücke aus den 1940er Jahren ebenso sorgfältig ausleuchtet wie den «Sacre» – ohne es dabei an tänzerischem Elan oder (im Tango) an ironischer Doppelbödigkeit mangeln zu lassen –, darf diese Produktion als rundum gelungener Beitrag zur Strawinsky-Diskografie gewertet werden.

Igor Strawinsky: Le Sacre du printemps, L’Oiseau de feu (Suite 1919), Scherzo à la russe, Tango. Budapest Festival Orchestra, Iván Fischer (Leitung). Channel Classics 32112 (1 CD).

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