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Grandioses Gastspiel beim Beethovenfest

Von ihrer Faszination hat Mahlers "Musik über Musik" nichts verloren. Das erlebte ein am Ende hingerissenes Publikum beim Beethovenfest-Gastspiel des Budapest Festival Orchestra unter Leitung von Iván Fischer.

Grandios ist das Mindeste, was es über diese Darbietung zu sagen gibt. “Leben und Leiden eines kraftvoll-heldischen Menschen” soll Mahler mit seiner Musik porträtiert haben. Ergebnis war alles andere als ein schlichtes Heldenepos alter Schule, sondern eine vielschichtige, in Assoziationen schillernde, vielfach gebrochene Musik.

Diese Mischung aus kunstvoller Naivität, Sentimentalität, Parodie, Konflikten, Entladungen und Apotheose brachten die ungarischen Musiker mit einer Intensität und einer Leidenschaft auf den Punkt. Jedes Detail band Fischer in spannungsvolle Entwicklungen ein oder schuf daraus zauberhafte Klanggemälde wie etwa im ersten Satz, in dem das Erwachen der Natur als eine Art Traumbild erscheint.

Mit einer beinah beklemmenden Perfektion meisterte das Ensemble die Gratwanderung aus Hingabe und Distanz, alles wirkte ungemein schlüssig, die ungewohnten Klangfarben – fahl, am Rande des Erlöschens, schmerzhaft-grell, aus der Ferne – waren aufs Feinste ausgehört. Nach dem packenden Finalsatz wollten die Ovationen in der Beethovenhalle kein Ende nehmen.

Die Qualitäten des Orchesters hatten sich schon im ersten Stück des Abends entfalten können. Fabelhaft gelang das “Prélude à l’unisson” von George Enescu aus dem Jahre 1903, eine einzige – für die damalige Zeit höchst ungewöhnlich – Unisonomelodie der Streicher. Den Eindruck eines unvergesslichen Konzerts komplettierte schließlich der junge, aus Kroatien stammende Pianist Dejan Lazic.

Am Salzburger Mozarteum bildete er eine schwindelerregend sichere Technik heraus, mit der er den circensischen Schwierigkeiten in Liszts “Totentanz” auf Augenhöhe begegnete. Lazic spielte wie entfesselt, zugleich mit eiskalter Präzision und wunderbar poetisch. Lediglich die Scarlatti-Zugabe geriet ihm etwas zu sehr zum virtuosen Schaustück.

Mathias Nofze, Generalanzeiger