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Toradze

suedkurier.de
Das Budapest Festival Orchestra unter Ivan Fischer und der Pianist Alexander Toradze beeindrucken im Stadtcasino Basel mit einem russischen Programm

Wenige Tage nach den Wiener Philharmonikern kam das Budapest Festival Orchestra ins Basler Stadtcasino. Zu hören gab es neben Tschaikowsky und Borodin das dritte Klavierkonzert von Prokofjew, das wegen seiner Mischung aus stählerner Motorik, kühnen Lyrismen und folkloristischen Anklängen geradezu populär ist. Eine Feuerprobe für fingerfertige Pianisten.

Solist beim Orchesterkonzert war der aus Georgien stammende und in Amerika lebende Pianist Alexander Toradze, der für seine Aufnahmen der Prokofjew-Konzerte gute Kritiken erhielt. Der 61-Jährige wirkte etwas nervös, hielt die Zuhörer mit dem Verschieben des Klavierhockers und der Suche nach der Brille (?) unterm Flügel in Atem. Doch schien er auf gutem Fuß mit Prokofjew zu stehen, denn er spielte absolut perfekt.

Vom ersten Ton an hört man den materialvertrauten, geborenen Prokofjew-Spieler. Er legt den Klavierpart perkussiv an, agiert sprung- und laufsicher, langt mit energiegeladener Motorik in die Tasten und pflegt ohne viel Pedal ein hartes und trockenes Staccato. Atemberaubend, wie Toradzes Finger bei rasendem Tempo die Tasten niederdrücken, Akkordfolgen ins Klavier hämmern und rasante Läufe hinlegen. Die letzten paar Takte im irrwitzigen Schlusssatz mit seiner tollkühnen Virtuosität sind schiere Martellato-Tobsucht, schon an der Grenze des musikalisch Machbaren. Da wird dem Zuhörer allein schon vom Zusehen taumelig.

Auf gleicher Wellenlänge hält das ungarische Spitzenorchester mit, vom hervorragenden, exakt zeichengebenden Dirigenten Ivan Fischer zu fulminantem Spiel, Präzision und Detailgenauigkeit im Rhythmischen angetrieben. Da gab es kein Niveaugefälle zwischen Solist und Orchester. Somit sorgte das Prokofjew-Konzert für eine Dauerhöchstspannung im Musiksaal.

Schon mit Borodins „Polowetzer Tänzen“ führte das exzellent präparierte Elite-Orchester seine Orchesterbrillanz vor, die es in Tschaikowskys „Pathétique“, der sechsten Sinfonie, noch steigern konnte. Den Geschwindmarsch nahm Fischer nicht zu geschwind (da halten andere Dirigenten Geschwindigkeitsrekorde) und im Adagio-Finale trug er nicht dick oder sentimental auf. Bei dem ganzen russischen Programm brachte er weniger russische Seele als ungarisches Feuer ein, spürbar bemüht um Objektivierung. Genau der richtige Mann für diese stimmungsgetriebene Musik. Für den starken Beifall bedankten sich die Budapester mit einem schönen Walzer von Toru Takemitsu, bei dem man nicht glauben würde, dass er von einem Japaner stammt!