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Miah Persson credit artistbilder

Iván Fischer leitete ein fulminantes Festspielkonzert des Budapest Festival Orchestra mit einer bezaubernden Überraschung.

Da erbebte der Steinway und fürchtete um sein Überleben. Bei der Zugabe, Precipitato, dem 3.Satz aus Prokofjews 7. Klaviersonate, zeigte Yefim Bronfman seine gewaltige Spannkraft und manuelle Gewalt. Donner und Potzblitz. Und um gleich bei den Zugaben zu bleiben: Das fulminante Budapest Festival Orchestra unter dem Chefdirigenten Iván Fischer verblüffte am Sonntagabend im Großen Festspielhaus nach Mahlers zu Recht stürmisch bejubelter 4. Symphonie mit einer hinreißenden Überraschung. Die Sopranistin Miah Persson ließ mit Mozarts unendlich schönem “Laudate Dominum” aus den “Vesperae solennes de confessore” ihre kernig-jugendliche Stimme innig in die Höhe schweben, und wer von den Musikern des nach der großen Mahler-Besetzung zum Mozartensemble verkleinerten Orchesters nichts zu tun hatte, erhob sich, ein Chor war geboren. Herrlich, klang fast professionell, und sehr charmant. Iván Fischer strahlte nicht umsonst über den gelungenen Gag.

Der ungarische Dirigent ist einer, der in der internationalen Spitze daheim ist, um den aber kaum Aufhebens gemacht wird, was wohl mit seiner Bescheidenheit zu tun hat. Anders als sein Bruder Adam Fischer, der sich auch als Protestfigur gegen den politischen Rechtsdrall und aufkeimenden Antisemitismus in Ungarn einen Namen gemacht hat, scheint Iván Fischer sich weniger um die politischen Verhältnisse in seiner Heimat zu kümmern, wo er mit Open-Air-Konzerten, Konzertmarathons oder neuen Festivals eine kulturelle Größe ist.

Abgesehen davon ist Iván Fischer ein blendender Orchesterleiter. Schon Béla Bartóks fünf “Ungarische Skizzen” zeigten die Stärken des Orchesters, die flötengeschwängerte Idylle des ersten “Abend”-Bildes wurde von einem deftigen “Bärentanz” verjagt, nach der melancholischen “Melodie” bereitete das schräge “Etwas angeheitert” den furiosen “Hirtentanz” vor, köstlich. Bartóks 3. Klavierkonzert ließ, obwohl kurz vor dem Tod des Komponisten entstanden, nur im Mittelteil Wehmut durchscheinen. Yefim Bronfman zeigte sich am Flügel sensibel aquarellierend, im Finale entfesselt. Brillant das Hauptwerk des Abends: Wie Iván Fischer die 4. Symphonie Mahlers in jedem Takt transparent hielt im Verein mit tollen Musikern in den Orchesterreihen, war faszinierend und präzise ziseliert, ohne je an Spannung zu verlieren. Der seelenvolle 3. Satz steigerte noch die Intensität. Miah Persson sang schön, allerdings undeutlich vom “himmlischen Leben” zum sanften Ausklang.

Ernst P. Strobl, Salzburger Nachrichten