Switch to mobile view
capucon

In der Pause stand sie dann in einem schmucklosen Behältnis auf dem Boden im Foyer der Meistersingerhalle: Jene legendäre Geige Guarneri del Gesù "Panette" von 1737, die früher Isaac Stern spielte und die so wertvoll ist, dass sie heute einer Schweizer Bank gehört.

Renaud Capuçon, der Mann, der neben ihr saß und Autogramme schrieb, ist der Glückliche, der dieses Instrument nicht nur benutzen darf, sondern ihm eben auch all jene Töne entlocken kann, die seinen legendären Ruf begründen.

Zusammen mit dem Budapest Festival Orchestra (BFO) unter seinem Gründer und Leiter Iván Fischer hatte Capuçon, der seit Ende der 90er Jahre mühelos seinen Platz in der Violinisten-Weltklasse behauptet, zuvor mit leidenschaftlicher Virtuosität und fast schon lässig wirkender Könnerschaft den spanischen Harmonie- und Melodie-Kosmos von Edouard Lalos 2. Violinkonzert, der Symphonie espagnole, durchmessen.

Lalo, wie Bizet und Ravel einer der iberophilen französischen Komponisten, bindet die ungestümen spanisch-volkstümlichen Elemente der Musik ein in die Form- und Harmoniegesetze von Klassik und Romantik. Capuçon wirft sich mit Entschlossenheit in die Quintsprünge des Allegro, lässt die Guarneri schmachten, knurren und aufjauchzen. Sein Legato lodert, im Scherzando der fünf suitenartig arrangierten Sätze tanzt der Geigenbogen.

Und die Budapester tanzen an diesem Donnerstag mit, erweitern in der glutvollen Habanera des Intermezzos die Klangfarben zur dramatischen Szenerie, vervollkommnen im schwermütigen Andante mit tiefen Streichern und dem Blech jene elegische Stimmung, die Capuçon mit zartem, doch glühendem Bogenstrich evoziert.

Im Finale steigern sich Solist und Orchester zu einem wilden Rondo-Tanz, der dann, gemessen am vorher Geschehenen, fast unspektakulär in einem goldglänzenden Flageolett endet. Da wurde das Publikum ebenfalls leidenschaftlich und applaudierte heftig.

Wie auch am Ende des Konzerts, nach Brahms’ 2. Sinfonie, der Fischer und seine Budapester noch einen heftig wirbelnden Walzer von Ernst von Dohnányi als Zugabe draufsetzten. Es war das i-Tüpfelchen eines jener seltenen Auftritte, bei denen alles stimmt und die Musizierfreude triumphiert.

Brahms’ Zweite, das sinfonische Schwergewicht, das aus einem kleinen Intervall große thematische Wandlungen – und Konflikte – entwickelt, musizierte das mit dunkler Färbung und nobler Klangkultur brillierende BFO mit romantischer Emphase: melodienselig, mit federndem Rhythmus und organischer Phrasierung.

Einschließlich der Gefahr eines Glanzes, der manchmal nostalgisch wirkte. Doch die prächtigen Steigerungen und die mitreißenden Finali holten Brahms – auch in den Studentenliedern der Akademischen Festouvertüre des Beginns – wunderbar in die Gegenwart zurück.

nordbayern.de