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spiegel.de
Kleinste Zeichen, großartiger Klang - wie ist es, ein Orchester zu leiten? Iván Fischer, Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin, hat sich eine Kamera umschnallen lassen und zeigt im Video überwältigende Momente seines Berufs.

zum Video

Alltag ist oft ein Abenteuer. Und was für eins! Der Beweis: unsere Videoserie “In der Haut von”. Für das ungewöhnliche Filmprojekt haben wir Menschen mit einer robusten Kompaktkamera ausgestattet und sie anschließend ungestört ihren Berufen nachgehen lassen. Das Ergebnis: eine einzigartige Chance, im Zeitraffermodus in die Haut eines anderen zu schlüpfen. Und teilzuhaben an seinem ganz normalen, abenteuerlichen Leben.

Bei einem Konzert richten sich alle Blicke auf den Dirigenten: die der Musiker auf der Bühne – und die des Publikums sowieso. Iván Fischer, 63, ist Dirigent und Musikdirektor des Konzerthauses am Gendarmenmarkt in Berlin. In unserem Film gibt er exklusiv Einblick in die aufregendsten Momente seines Musikerlebens und zeigt, wohin sich seine Blicke richten, kurz vor dem Auftritt und während des Spiels. Ein Perspektivwechsel, den Spitzenmusiker nur selten zulassen.

◾ Um diesen Beruf geht’s:

Dirigent.

◾ So kommt man in den Job:

Wer hauptberuflich dirigieren möchte, muss an einer Musikhochschule studieren. Dafür sollte man mindestens Klavier spielen können. “Man sollte außerdem etwas Kindliches bewahren”, sagt Fischer. “Das innere Kind ist das Wichtigste. Ein Dirigent, der Lust hat zu spielen, ist ein guter Dirigent. Und man muss gut führen können. Ich muss viele Leute inspirieren und dafür sorgen, dass sie etwas Schönes zusammen erreichen. Andererseits darf man diese Führungsrolle natürlich nicht zu wichtig nehmen – nur wenn man die Musik und das Publikum liebt, hat man eine Chance.”

◾ So viel verdient man:

Das ist Verhandlungssache, wie fast immer in der Musik. Iván Fischer sagt: “Ich kümmere mich gar nicht um solche Dinge. Keine Ahnung, ehrlich. Und außerdem gibt es ja kein Monatsgehalt, sondern ich werde pro Konzert bezahlt.”

◾ Das macht am meisten Spaß:

“Die Arbeit mit Menschen. In jedem Orchester finden sich unterschiedlichste Künstlerpersönlichkeiten. Und ich will, dass sie diese Persönlichkeiten beibehalten. Dirigieren an sich ist uninteressant. Das einzig Interessante ist, wenn man Ideen hat, die für das Publikum aufregend sind und für die Leute etwas Besonderes bedeuten. Wenn ich im Publikum leuchtende Augen sehe, dann weiß ich, dass die Musik die Leute erhebt.”

◾ Welche Sprüche nerven?

“Manchmal fragt man mich, wie der Dirigentenstab beschaffen sein muss – aber das ist eigentlich unwichtig, ob er nun groß oder klein ist oder leichter oder schwerer. Das einzige, was mich wirklich stört, ist, wenn Musik zur Routine wird.”

◾ Sie machen eine Zeitreise und begegnen sich selbst im Alter von 16 Jahren. Welchen Berufstipp geben Sie Ihrem jungen Ich?

“Sechzehn? Das ist für einen Dirigenten eigentlich schon ziemlich alt. Am besten beginnt man mit zwölf. Da ist man schon recht klug, hat aber auch noch eine große Spiellust in sich.”