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Mahler Symphony No.5.

magazin.klassik.com, Aron Sayed
Extrem stark: Ivan Fischers neuer Mahler mit dem Budapest Festival Orchestra. Soviel Detail war selten

Mahler, Gustav – Sinfonie Nr. 5

 

Das einzige Manko von Ivan Fischers neuer Mahler-Einspielung liegt im Booklet. Da liest man tatsächlich: ‚Mahler war eigentlich nicht der Mann der Adagios, denn nur in seiner Vierten und seiner Neunten Sinfonie kam er dazu, einen wirklich langsamen Satz zu komponieren‘ (auf Englisch steht es genauso da, es handelt sich also nicht um einen Übersetzungsfehler). Das ist natürlich Unsinn. Ansonsten übertrifft diese SACD mit der Sinfonie Nr. 5 cis-Moll die bei Ivan Fischer und dem Budapest Festival Orchestra ohnehin stets hohen Erwartungen um ein Mehrfaches.

Jeder Mahlerianer wird in Zukunft an dieser Aufnahme nicht vorbeikommen, wenn er einen SACD-Player sein eigen nennt. Sie bildet Mahlers reichhaltige Instrumentation so detailliert ab, dass es beinahe unheimlich wirkt. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, hier werde (vielleicht zum ersten Mal?) Mahlers Orchesterstil in der Fünften in wirklich allen Facetten dargestellt. Ob die ansonsten tief und leise im Gewimmel versteckte Tuba, ungewöhnliche Parallelführungen oder die ganze Breite des Streicherapparates von den Kontrabässen bis zum Violinflageolett, vom satten Tutti, das die große Pauke durchzittert, ganz zu schweigen. Es ist alles da. Man hört sogar Dinge, die man zuvor nicht hörte – wie ein Film auf der großen Leinwand, den man bislang immer nur im Fernsehen und ohne HD gesehen hat.

Das ist natürlich nur möglich aufgrund der Tontechnik von Channel Classics, die solange zugunsten von Transparenz und Plastizität am Klangbild geschraubt hat, bis es maximal durchlässig erscheint, ohne dabei die Klangtreue aufs Spiel zu setzen. Mehr noch aber verdeutlicht sich wieder einmal, was für ein Ausnahmeklangkörper das Budapest Festival Orchestra doch ist. Denn ohne die makellose Intonation, Präzision und nicht zuletzt Lebendigkeit dieser Musiker wäre das tolle Klangbild umsonst. Fischer nimmt sich zudem alle Zeit, um den Mahlerschen Detailreichtum aufzuzeigen, vom bitteren Trauermarschton bis zum jähen Jubelchor. Im Scherzo liegt er leicht unter dem Tempodurchschnitt. Und im zweiten Satz gibt es subtile Schwankungen zwischen den unmerklich ineinander übergehenden Formteilen. Überhaupt ist der Blick auch in Sachen musikalischer Gestik, Ironie und Charakterrepertoire stark geschärft. Zielsicher ‚ungenau‘ kommen manche Einsätze des Blechs im Scherzo. Bis ins letzte Pizzicato gehen in der Coda des zweiten Satzes die klanglichen Nuancierungen.

Solange Neuaufnahmen wie diese weiter auf dem Markt erscheinen, bleibt die klingende Mahler-Exegese eine spannende Angelegenheit. An Lebendigkeit, Größe und Klarheit kommt hier so schnell niemand heran. Auch nicht Jonathan Nott mit den Bambergern. Als nächstes bitte die Siebte!

 

Interpretation: *****

Klangqualität: *****

Repertoirewert: ***

Booklet: **