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Wenn ein Orchester mit einem Lieblingssolisten und dem passenden Programm auftritt und alles stimmt, wird ein Konzert ein Glücksfall. Wie am Freitag beim Budapest Festival Orchestra unter Leitung von Ivan Fischer und Pianist András Schiff. In so bestechender Form hat man das 1983 gegründete Orchester noch nie im Konzerthaus Dortmund gehört.

Dass der 61-jährige Ungar Schiff und seine Landsmänner und -frauen auch musikalisch dieselbe Sprache sprechen, fiel im Konzerthaus Dortmund auf. So harmonisch, so emotional und perfekt aufeinander eingespielt und so differenziert hört man Brahms’ erstes Klavierkonzert selten.

Da spielte auch wohl die Sehnsucht mit, endlich mal wieder zusammen zu musizieren, denn in Ungarn tritt Schiff nach den Anfeindungen auf Politik-Kritik 2011 nicht mehr auf.

Kluge Brückenschläge

Der zweite Konzertteil war typisch Fischer: kluge Brückenschläge zwischen drei “Moldawischen Duetten” von Dvorak und drei Sätzen aus Smetanas “Mein Vaterland” – natürlich mit der berühmten “Moldau” am Schluss.

Abwechselnd ließ Fischer die von Orchestermusikerinnen gesungene Volksmusik von Dvorak mit den sinfonischen Dichtungen von Smetana musizieren. Und auch da herrschte oft Volksfeststimmung. In der opernhaften “Sarka” ebenso wie im sehr differenziert gespielten “Aus Böhmens Hain und Flur”.

Smetanas Nationalstolz klang da durch und viel Orchesterkraft. Die blitzte schon zu Beginn des Konzerts in Schumanns vibrierend gespielter “Manfred”-Ouvertüre auf.

Und die Moldau plätscherte rasant schnell durch den Saal. Alles im Fluss war da im doppelten Wortsinn. Und die Budapester hatten einen Triangelspieler, der seinen Job richtig ernst nahm. Ein beglückender Abend.

Source: http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-region/Konzerthaus-Dortmund-Beglueckender-Abend-mit-Pianist-Schiff-und-dem-Budapest-Festival-Orchestra;art1541,2890868