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Alte-Oper-1

Reiche Einblicke bot das Konzert des „Budapest Festival Orchestra“ und des Pianisten Rudolf Buchbinder in der Alten Oper Frankfurt. (fnp.de)

Den üblicherweise hintergründig platzierten Block der Holzbläser aufzulösen, statt dessen die paarweise besetzten Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotte aufgefächert in das Halbrund der Streicher zu integrieren, verlieh dem Orchesterpart des ersten Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven verblüffende Dichte, Präsenz und Farbigkeit. Was sich beispielsweise am keck pointierten Revolutionsmarsch des gar nicht so „klassischen“ Kopfsatzes oder dem witzigen Zuspiel während des Rondos erleben ließ.

Aber auch auf das passgenaue Wechselspiel zwischen dem „Budapest Festival Orchestra“ unter Leitung seines Gründers Ivan Fischer und dem Solisten Rudolf Buchbinder wirkte sich die intelligent experimentierfreudige Aufstellung hörbar beflügelnd aus. Buchbinder legte eine geradezu jugendlich anmutende Spannkraft an den Tag, ohne dass ein Verlust an Tiefenschärfe zu beklagen gewesen wäre.

Der Blick in die Seele des Komponisten trat bei Brahms’ Vierter e-Moll opus 98 etwas hinter die klare Analyse der Zusammenhänge zurück. Mit mikroskopischem Blick legte Fischers nicht unangenehm temperierte Deutung die hochverdichteten Prozessverläufe offen, ohne jedoch akademisch trockene Züge anzunehmen. Ein schlüssiges, schnörkelloses Gesamtbild in unsentimentalem Grundton fügte sich aus den einzelnen Elementen. Ausgefeilt, voller Spielwitz hatten die Budapester eingangs Ernst von Dohnanyis ebenfalls stark verdichtete, kaleidoskopartige Sinfonische Minuten opus 36 geboten.