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Jövőre magyar-olasz kulturális évad

KARL HARB SALZBURG (SN). Das Budapest Festival Orchestra hat einen exzellenten Ruf. Laut „Grammophone“-Umfrage zählt es zu den zehn weltbesten Orchestern. 1983 gegründet, steht ihm immer noch der Mitbegründer Ivan Fischer als Künstlerischer Leiter vor – eine selten gewordene Kontinuität. Drei Mal war das Orchester in den 1990er-Jahren bei den Salzburger Festspielen zu Gast. Nun lud die Kulturvereinigung für ihre Festkonzerte zum 60-jährigen Bestehen des Konzertrings die Gäste aus Budapest für drei Konzerte wieder nach Salzburg ein. Schnell entschlossene Musikfreunde sollten den letzten Termin, heute, Freitag, nicht versäumen.

Denn das Budapest Festival Orchestra lässt tatsächlich auf Festspielniveau aufhorchen. Vor allem die eigensinnig intelligente Interpretation von Antonin Dvoráks 8. Symphonie lohnt aufmerksames Hören. Ivan Fischer gelingt es, durch gertenschlankes, sozusagen absolut fettloses Musizieren eine überaus delikate Klangbalance herzustellen, seine spürbar motivierten Spieler erreichen eine Transparenz, die zugleich brillante Tiefenschärfe hat.

Dabei wird auch deutlich, dass dem populären Werk eine eigenwillige Konzeption zugrunde liegt: Das symphonische Gerüst dient dazu, freie Formen des klanglichen Erzählens sichtbar zu machen. Das kosten Dirigent und Orchester mit wunderbaren Farbdifferenzierungen aus, mit beinahe pingeliger Detailversessenheit, aufgeladen durch straff gespannte Energie ebenso wie durch sorgfältig aussingende Emphase, die in keinem Moment wohlgefällig eingedickt wird. Das ist Romantik im modernen Relief, ein brillanter, funkelnd gefasster Edelstein. Dabei wirkt der musikalische Fluss stets frei strömend, ohne überzugehen. Man fühlt sich an die Clarté eines George Szell erinnert, den Fischer in den rhetorischen Spitzen mit einem Schuss Harnoncourt aufpeppt.

Wie sorgfältig Fischer und sein Orchester arbeiten, war schon an den verschiedenen „Gesichtern“ der Haydn-Variationen von Brahms (inklusive der atmend durchgestalteten Themenvorstellung) zu erkennen. Ernst von Dohnányis „Symphonische Minuten“ bildeten als Brücke zu Dvorák einen schwungvoll gesteigerten Mittelteil. Der Jubel reichte leicht für zwei Zugaben.