Switch to mobile view
turné-1

Frankfurt - Beethovens Klaviermusik ist sein Lebenselixier. Einmal mehr unterstrich Rudolf Buchbinder in der Alten Oper, dass er längst die Nachfolge des legendären Alfred Brendel angetreten hat. Von Klaus Ackermann (op-online.de)

Im ersten Klavierkonzert C-Dur des Klassikers schlechthin war zudem wechselseitige Sympathie des Solisten zum Budapest Festival Orchestra spürbar. Dass Johannes Brahms sich in seinen populären Tänzen von der ungarischen Musik inspirieren ließ, konterten die von ihrem Mitbegründer Iván Fischer dirigierten Budapester mit einem klanglichen Intensivkurs zur Sinfonie Nr. 4.

Lange nichts mehr gehört von Ernst von Dohnányi (1877-1960), dessen frühes Klavierquintett noch Brahms gelobt hatte. Das Festival Orchestra bietet Abhilfe mit den „Sinfonischen Minuten“ op. 36, fünf Stimmungsbilder, deren Vielfarbigkeit den Impressionismus im Sinn hat. Das Capriccio ist ein wahrlich kapriziöser Einstieg mit Flötenpfiff und elegischer Cello-Kantilene, das melodische Englischhorn-Solo in der Rapsodia erinnert an einen Schwan, der gemächlich seine Runden zieht.

Grotesken Einschlag hat das Scherzo mit seiner ironisch anmutenden Blechbläserweihe, während das „Tema con Variazioni“ auch mit aparter Harfen- und Celesta-Garnitur aufwartet, und das Rondo nach orchestralem Weckruf virtuos dem Czardas nachspürt, ungarische Erfindung. Akribisch, melodisch süffig und mit viel Verve weisen die Budapester und ihr Landsmann nach, dass es wenig Zeit braucht, um sinfonische Wirkung zu erzielen.

Die nimmt sich freilich Buchbinder für das Beethoven-Konzert, wobei das Budapest Festival Orchestra eine ungewöhnliche Sitzordnung pflegt. Am zweiten Pult der 1. Geigen nehmen Oboer und Querflötistin Platz, am ersten Pult der 2. Geigen die zwei Klarinettisten. Da die Holzbläser in den an Mozart und Haydn gemahnenden Themen chorisch mit den Streichern verbündet sind, macht dies Sinn. Vor allem in dem anheimelnden Largo mit seiner intimen Korrespondenz zwischen Klavier und Klarinette.

Legt Buchbinder hier wie auch im flüssig perlenden Eingangssatz viel Wert auf die kantable Linie, so ist das Rondo reines musikalisches Vergnügen auf hohem Niveau. Wie der böhmisch-österreichische Pianist seine variable Anschlagskunst ins Spiel bringt und in den Kadenzen das Themen-Material erweitert, wie er Fingerzeige auf Beethovens cholerisches Temperament gibt, das haut einen fast um. Wie die zugegebene Paraphrase auf Johann-Strauß-Walzer, Köstlichkeiten im klingelnden Diskant des Flügels – und vor allem im Dreivierteltakt. Auch bei Brahms’ Vierter in der Trauer-Tonart e-Moll mit ihren sich ständig fortentwickelnden Seufzer-Motiven ziehen die Budapester an einem Klangstrang, souverän dramatisch aufgezäumt oder gezügelt von Fischer, am Dirigierpult eine Macht.

Das gipfelt in einer an Bach orientierten, spannend gesteigerten und ideal instrumental durchwirkten Passacaglia. Und mündet in die eher weniger geläufigen Ungarischen Tänze Nr. 11 und Nr. 7, konzertante Brahms-Huldigung. Von Budapestern.